ÖNORM B 3355-2

Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk – Maßnahmen gegen aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk

ÖNORM 3355-2 von Austrian Standards Institute

In aller Kürze wird die ÖNORM 3355-2 im Kurzreferat vom Austrian Standards Institute wie folgt zusammengefasst:

»Diese ÖNORM (alle Teile) ist anzuwenden für Maßnahmen an bestehendem Mauerwerk, die der Verhinderung oder Begrenzung des kapillaren Aufsteigens von Feuchtigkeit dienen. Es werden ausschließlich Verfahrensgruppen berücksichtigt, deren Wirkungsweise wissenschaftlich allgemein anerkannt und deren praktische Tauglichkeit erwiesen ist. Geräte, die sich zum Beispiel auf Magnetokinese, Radiowellen und ähnliche beziehen, werden in dieser ÖNORM nicht behandelt. Diese ÖNORM (alle Teile) richtet sich an alle mit der Planung, Ausschreibung, Ausführung und Überwachung von derartigen Maßnahmen befassten Personen. Die vorliegende ÖNORM ist nur im Zusammenhang mit den ÖNORMEN B 3355-1 und -3 anzuwenden. Für die Werkvertragsregelung ist die ÖNORM B 2202 anzuwenden.«

Sie umfasst 19 Seiten und wurde vom Fachausschuss FNA 207 Wände – Produkte und Konstruktion am Austrian Standards Institute verfasst und am 15. Januar 2011 in der jüngsten Fassung veröffentlicht.

In dieser Norm werden folgende Normen zitiert:

  • ÖNORM B 1996-1-1
  • ÖNORM B 2202
  • ÖNORM B 3355-1
  • ÖNORM B 3355-3
  • ÖNORM EN 1996-1-1 

Bauwerksdiagnose

Entscheidend für die Wahl der richtigen Methode ist eine umfassende Zustandserhebung der Materialien, der Nutzungsart und der Ursache des Feuchtigkeitseintritts. Grundsätzlich unterscheidet man Kondensationsfeuchte, aufsteigende Bodenfeuchtigkeit oder seitlich eindringendes Wasser. Mit Hilfe von Mauerproben werden die benötigten Messwerte, wie zum Beispiel der Durchfeuchtungsgrad oder der Feuchtigkeitsgehalt, aber auch die Konzentration von Salzen ermittelt.

Die drei Ursachen für Feuchtigkeitseintritt im Überblick:

  • Kondensationsfeuchte
  • aufsteigende Bodenfeuchtigkeit (Grundwasser)
  • seitlich eindringendes Wasser (Sickerwasser)

ÖNORM B 3355-2 Download (PDF)

Drei Verfahrensgruppen zur Mauertrockenlegung – nur eine passt!

Bei Feuchtigkeitsschäden an Gebäuden kommt es nicht nur zu optischen Beeinträchtigungen, sie schmälern die Wohnqualität und stellen langfristig ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Grundsätzlich gilt: Abwarten erhöht die Kosten. Aber auch dem erfahrensten Handwerker ist vom „Selbermachen“ abzuraten. Mauertrockenlegung gehört in die Hände von Fachleuten.

Die drei Verfahrensgruppen in der Übersicht:

  • Bei den mechanischen Verfahren wird das Aufsteigen der Feuchtigkeit durch „Aufschneiden“ des Gebäudes und Einbringen von Füllmasse oder Metallplatten verhindert.
  • Mögliche Schäden am Mauerwerk durch Erschütterungen, die hier auftreten können, entfallen beim so genannten Injektionsverfahren. Chemische Bestandsanalysen des Mauerwerks und der Durchfeuchtungsgrad sind wesentliche Entscheidungskriterien für diese Verfahren, bei denen Injektionsmittel eingebracht werden und so die wasserdurchlässigen Poren verschließen.
  • Die dritte große Gruppe stellen die elektrophysikalischen Verfahren dar, die sich zum Beispiel für denkmalgeschützte Gebäude besonders eignen, da hier das Mauerwerk nicht abgeschlagen werden muss und so die ursprüngliche Fassade erhalten bleibt.

Mauerdicke, Arbeitsraumbreite, Art der Mauer, das Porenvolumen oder die benachbarten Bauteile finden sich unter den Auswahlkriterien der ÖNORM zur richtigen Verfahrenswahl.

Neben zahlreichen, wissenschaftlich anerkannten Verfahrensgruppen, deren praktische Tauglichkeit erwiesen ist und die in der ÖNORM Erwähnung finden, gibt es noch zahlreiche mauerkontaktlose Verfahren, wie zum Beispiel solche, die mit Radio- und Funkwellen, Magnetfeldern oder Erdstrahlen arbeiten und die in Fachkreisen immer wieder Diskussionsstoff bieten.

Quellen: Austrian Standards Institut, PressemitteilungÖNORM B 3355-2

Gliederung von Mauertrocknungsverfahren

Elektrophysikalische Verfahren

Aktive elektroosmotische Mauertrockenlegung (Elektro-Osmose)

  • Feuchtigkeitsanstieg wird durch Anlegen einer elektrischen Gleichspannung zwischen oben liegendem Plus-Pol und unten liegendem Minus-Pol verhindert (Umkehrung der Kapillarwirkung)
    • Vorteile
      • keine chemischen Substanzen
      • unbegrenzte Haltbarkeit
      • keine teuren Erdarbeiten
      • Statik wird nicht gefährdet
      • kein „Wegrutschen“ der Wand
      Mechanische Verfahren
      • Maueraustauschverfahren: Abschnittsweiser Mauerwerksaustausch mit Einbau einer Abdichtung.
      • Chromstahlblechverfahren: Einvibrieren von gewellten Edelstahlplatten in durchgehende Mauerwerksfugen.
      • Bohrkernverfahren: Überlappende Kernbohrungen werden mit Dichtmörtel verfüllt.
      • Sägeverfahren: Mittels Trennscheiben, Mauerfräsen oder Seilsägen wird das Mauerwerk durchtrennt und auf Glattstrich eine Abdichtung eingebracht.
      • Abdichtung durch
        • Kunststoff-Folie
        • Bitumen-Folie
        • kunststoff- oder bitumenkaschierte Metall-Folie
        • kapillarwasserdichte Zementmörtel
        • mit Kunststoffen vergütete Systeme
        • Einschlagen von gewellten, millimeterstarken, korrosionsbeständigen Chromstahlblechen
        • Unterfangung eines Mauerwerkes
      •  Nachteile
        • Statik des Gebäudes muss überprüft werden
        • Anwendungsgrenzen müssen beachtet werden
          • Belastung der Abdichtung
          • „Wegrutschen“ der Wand
          • Temperatur
          • Wandstärken
          • kostenintensiv, da Erdarbeiten notwendig sind
      Chemische Verfahren
      • Injektionsverfahren unter Druck: Injektionsmittel/Chemikalie wird mit Kompressorpumpen in die Wand befördert
      • Drucklose Verfahren: Bohrlochreihen in einem festzulegenden Abstand werden wird so lange mit Injektionsmittel/Chemikalie befüllt, bis das Mauerwerk nichts mehr aufnimmt.
      •  Nachteile
        • keine 100%ige Lösung
        • Haltbarkeit begrenzt
          • Durchfeuchtungsgrad (Zu feuchtes Mauerwerk – über 60 % – kann kein injiziertes Mittel mehr aufnehmen)
          • Anwendungsgrenzen müssen beachtet werden
          • Mauerdicke
          • Mauerwerksart und -zustand
      • Ungeeignete Verfahren / Scharlatane / Vorsicht Abzocke!
        • Kontaktlose Verfahren
          • Funkwellen
          • Magnetfelder
          • Vorsicht: diese Systeme haben keine von Prüfstellen nachgewiesene Wirkung und werden nicht in Normen erfasst (ÖNORM)
        • Vorsatzschalen: Sind nur für Kaschierungen geeignet, das Mauerwerk dahinter bleibt feucht
        • Wandbeheizung: Stellt keine horizontale Feuchtigkeitssperre dar.
        • Sperrputze: Putze kaschieren die Feuchtigkeit. Dadurch steigt die Feuchtigkeit im Mauerwerk noch höher, Haltbarkeit ist bei mittlerer bis hoher Schadsalzbelastung beschränkt.
        • Mauerlungen: Kunststoffröhrchen werden ins Mauerwerk eingebohrt; jahreszeitlich bedingt kommt es zu einer Befeuchtung des Mauerwerks. Nicht wirksam gegen aufsteigende Feuchtigkeit.

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